Liechtenstein

Man unterscheidet in Liechtenstein nach Gesellschaftsformen und nach wirtschaftlich tätigen und nicht wirtschaftlich tätigen Gesellschaften.
Eine Unterscheidung nach Holding- oder Sitzunternehmen gibt es nicht mehr.

Gründung Liechtensteiner Stiftung (Familienstiftung)

Die Rechtsform der Stiftung ist die meistverwendete Rechtsform in Liechtenstein. Vermögen, das für einen bestimmten Zweck gewidmet wird, scheidet aus dem Vermögen des Stifters aus, verselbständigt sich und gewinnt in der Stiftung eine eigene Rechtspersönlichkeit (juristische Person). Stiftungen eignen sich insbesondere zum Zweck der Vermögensverwaltung und als Instrument der Sicherstellung einer langfristigen Nachfolgeregelung. Zur Verfolgung von kommerziellen Zwecken ist sie nur eingeschränkt geeignet.

Gründung Liechtensteiner Anstalt

Die Anstalt ist eine Rechtsform rein liechtensteinischer Prägung (Unternehmensform des Privatrechts). Sie ist ein rechtlich verselbständigtes, dauernd wirtschaftlichen Zwecken oder anderen Bestimmungen dienendes Unternehmen, welches nichts mit der Rechtsform öffentlich-rechtlicher Anstalt anderer Staaten gemein hat. Die Anstalt kann vielseitig eingesetzt werden. Besonders geeignet ist sie für Handelsgeschäfte, aber auch als Vermögensverwaltungsgesellschaft oder Holdinggesellschaft. Der Zweck ist in den Statuten festzulegen und kann sowohl wirtschaftlicher als auch nicht-wirtschaftlicher Art sein.

Gründung Liechtensteiner Aktiengesellschaft (AG)

Die in Liechtenstein existierende Aktiengesellschaft (AG) entspricht in ihrer gesetzlichen Ausgestaltung weitgehend der AG anderer kontinental-europäischer Länder. Sie hat eine eigene Rechtspersönlichkeit, deren Grundkapital in Anteile zerlegt ist, wobei sowohl Inhaber- als auch Namensaktien möglich sind. Die AG ist für alle wirtschaftlichen Zwecke, vor allem für internationale Handelsgeschäfte sowie als Dachorganisation von Tochtergesellschaften oder als Vermögensverwaltungsgesellschaft geeignet.

Gründung Liechtensteiner Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Die Liechtensteinische GmbH ist eine Verbindung von mehreren Personen, Firmen bzw. privat- oder öffentlich-rechtlichen Verbandspersonen, die sich zu irgendeinem Zwecke derart verbinden, dass sie eine GmbH bilden, deren Stammkapital mind. CHF 30'000.- betragen muss. Die Haftung wird dabei für jeden Gesellschafter auf einen bestimmten Betrag beschränkt. Die Stammeinlage muss mindestens CHF 50.- betragen, welche nicht zurückgefordert werden kann.

Gründung Liechtensteiner Treuhänderschaft (Trust)

Die Treuhänderschaft ist dem anglo-amerikanischen Vorbild entnommen. Dieses Rechtsinstrument ist ähnlich wie die Stiftung einsetzbar, erlaubt aber eine etwas freiere Ausgestaltung, da sie keine Zweckbeschränkung, wie im Stiftungsrecht festgelegt, kennt.

Der Treugeber (Settlor) wendet dem Treuhänder (Trustee oder Salmann) bewegliches oder unbewegliches Vermögen oder ein Recht (als Treugut) mit der Verpflichtung zu, dieses als Treugut im eigenen Namen als selbständiger Rechtsträger zu Gunsten eines oder mehrerer Dritter (Begünstigter) mit Wirkung gegen jedermann zu verwalten oder zu verwenden.

Im Gegensatz zur Stiftung handelt es sich bei der Treuhänderschaft nicht um eine juristische Person, sondern um ein Rechtsverhältnis vertragsähnlicher Natur.

a) Sprache

Deutsch ist die Amtssprache. Eine Übersetzung der deutschsprachigen Gründungsdokumente wird auf Wunsch erstellt.

b) Zweck

Der Zweck kann wirtschaftlicher oder nicht-wirtschaftlicher Art sein, in jeder gesetzlich zulässigen Form, z.B. Handel mit Waren, Erwerb von Beteiligungen, Finanzierungen, Liegenschaftsverwaltung, Patentverwertung, Leasing, die Verwaltung des Vermögens für bestimmte Begünstigte oder für rein wohltätige Zwecke. Bankgeschäfte sind jedoch den Banken, Vermögensverwaltungen für Dritte konzessionierten liechtensteinischen Treuhändern vorbehalten.

c) Errichtung

Die Beteiligten sind:

- der Treugeber (Errichter), wobei das Vertragsverhältnis (Treuhandurkunde ist der Errichtungsakt) schriftlich abgefasst werden muss
- der oder die Treuhänder (die Annahme des Amtes muss in Schriftform erfolgen)
- der oder die Begünstigten

d) Entstehung

Die Treuhänderschaft wird in der Praxis insbesondere mit der Unterzeichnung der Vereinbarung (Treuhandurkunde) durch Treugeber (Errichter) und Treuhänder oder durch Treuhandbrief gegründet. Der fakultativen Eintragung im Öffentlichkeitsregister (anstelle der Hinterlegung) kommt keine konstitutive Wirkung zu. Sie entsteht bereits mit der Unterzeichnung der Errichtungsdokumente.

e) Eintragung oder Hinterlegung

Sofern eine Eintragung im Öffentlichkeitsregister gewünscht wird, sind folgende Angaben zu machen: Datum der Errichtung, Bezeichnung der Treuhänderschaft, Dauer (kann unbestimmt sein), Name und Adresse der Treuhänder (nicht jedoch der Begünstigten und des Treugeber).

Als Alternative zur Eintragung besteht die Möglichkeit der sogenannten Hinterlegung der Treuhandurkunde beim Öffentlichkeitsregisteramt. In diesem Falle ist die Existenz der Treuhänderschaft aus keinem Register ersichtlich und Einsicht nur gegen den Nachweis eines berechtigten Interesses möglich.

f) Treugut

Es ist kein Mindesttreugut (Vermögenszuwendung) vorgeschrieben.

g) Verwaltungsorgan

Die Verwaltung obliegt dem oder den Treuhändern. Der Treuhänder verwaltet das Vermögen in seinem eigenen Namen mit persönlicher Verantwortung zu Gunsten der Begünstigten.

Wenigstens ein Mitglied der Verwaltung muss seinen Kanzleisitz in Liechtenstein haben und über bestimmte berufliche Qualifikationen verfügen. Im Falle der Treuhänderschaft kann dieser liechtensteinische Treuhänder auch eine juristische Person sein.

Zusätzlich zu diesem liechtensteinischen Verwaltungsorgan können beliebige natürliche oder juristische Personen mit (Wohn-) Sitz im In- oder Ausland zugewählt werden.

h) Kontrollorgane

Um die Einhaltung der Bestimmungen in der Treuhandurkunde durch den Treuhänder abzusichern, kann eine Revisionsstelle, ein Protektor (Beirat), ein Kurator oder ein Kollator bestellt werden.

i) Gesetzliche Repräsentanz

Für Treuhänderschaften sieht das Gesetz keine Repräsentanz vor.

j) Begünstigte

Bei der Treuhänderschaft kommt die Bestimmung der am Ertrag und/oder Vermögen Genussberechtigten entweder dem Errichter (Treugeber) oder, je nach statutarischer Bestimmung, einem anderen Organ zu. Dieser/dieses legt in den Statuten und/oder in den Beistatuten neben der Genussberechtigung auch die Bedingungen und das Ausmaß der Begünstigung fest. Das Beistatut, das in der Regel einen integrierenden Bestandteil der Statuten darstellt und diesen häufig vorgeht, muss nicht beim Öffentlichkeitsregisteramt hinterlegt werden. Es kann widerruflich oder unwiderruflich, abänderbar oder unveränderlich ausgestaltet sein. Möglich ist auch, dass zunächst Änderungen erlaubt sind, das Beistatut jedoch nach Eintritt eines bestimmten Ereignisses oder Zeitpunktes (z.B. Tod des Treugebers) unabänderlich wird. Die ausführenden Organe haben sich im Allgemeinen an den Willen des Errichters zu halten. Sind keine Genussberechtigten bestellt, so gilt in der Regel die Rechtsvermutung, dass der Errichter selbst der Genussberechtigte ist. Es gilt dann die gesetzliche Erbfolge. Die Begünstigungen können unter bestimmten gesetzlichen und statutarischen Voraussetzungen dem Gläubigerzugriff entzogen werden.

k) Buchführung

Für eine Treuhänderschaft ist eine Buchführung nicht vorgeschrieben.

l) Gründungsdauer

Die Gründung dauert in der Regel nicht mehr als eine Woche.

m) Vollmachten

Falls Geschäfte im Auftrage der Verwaltung von Drittpersonen abzuwickeln sind, ist die Erteilung von Vollmachten grundsätzlich möglich. Der Vollmachtsnehmer ist zur Berichterstattung an die Verwaltung verpflichtet. Wegen der Haftung der Verwaltung werden in der Regel lediglich befristete Spezialvollmachten ausgestellt.

n) Liquidation

Treuhänderschaften können binnen weniger Tage gelöscht werden. Voraussetzung für die Löschung ist immer der Abschluss der Liquidation.

o) Abgaben und Steuern

Die besonderen Vermögenswidmungen ohne Persönlichkeit (Trust) werden in Liechtenstein weder transparent besteuert noch unterliegen sie der Ertragsbesteuerung juristischer Person. Sofern Sitz oder tatsächliche Verwaltung in Liechtenstein liegt oder sie inländische Erträgnisse generieren, wird lediglich die Mindestertragsbesteuerung (CHF 1.200,-) erhoben.

p) Ausländisches Recht

Treuhänderschaften nach ausländischem Recht können in Liechtenstein errichtet werden. Im Aussenverhältnis jedoch ist liechtensteinisches Recht anwendbar.

q) Bilanzerstellung

Diese ist nicht obligatorisch. Somit entfallen die Revisionsstelle und die Verpflichtung zum Einreichen der Bilanz. Der Treuhänder ist verpflichtet, die Treugüter von seinem eigenen Vermögen strikt zu trennen. Unter Umständen ist dazu eine geordnete Buchhaltung erforderlich.

Gründung Liechtensteiner Treuunternehmen (Trust reg.)

Die Rechtsform des rein liechtensteinischer Prägung ist vielseitig einsetzbar. Der Gestaltungsspielraum ist sehr groß. Das Treuunternehmen (Trust reg.) kann ähnlich wie eine Körperschaft strukturiert werden oder sie kann stiftungsähnliche Grundzüge annehmen und somit je nach Ausgestaltung ein Instrument für kommerzielle Zwecke oder für die Vermögensverwaltung bilden.

a) Name

Der Firmenwortlaut ist in jeder Sprache (in lateinischen oder deutschen Schriftzeichen) frei wählbar; auch Phantasiebezeichnungen sind zulässig. Der Firmenname wird geschützt (Ausschließlichkeit der eingetragenen Firma). Die Führung nationaler und internationaler Landes- und Ortsbezeichnungen im Firmenwortlaut ist nur mit spezieller Genehmigung erlaubt.

b) Sprache

Deutsch ist die Amtssprache. Eine Übersetzung der deutschsprachigen Gründungsdokumente wird auf Wunsch erstellt.

c) Zweck

Der Zweck eines Treuunternehmens kann wirtschaftlicher oder nicht-wirtschaftlicher Art sein, in jeder gesetzlich zulässigen Form , z.B. Handel mit Waren, Erwerb von Beteiligungen, Finanzierungen, Liegenschaftsverwaltung, Patentverwertung, Leasing, die Verwaltung des Vermögens für bestimmte Begünstigte oder für rein wohltätige Zwecke. Bankgeschäfte sind jedoch den Banken, Vermögensverwaltungen für Dritte konzessionierten liechtensteinischen Treuhändern vorbehalten.

d) Grundkapital (Treufonds)

Das statutarische Kapital kann in Schweizerfranken, Euro und US-Dollar fixiert werden, wobei jedoch das Mindestkapital stets zu beachten ist. Die Gründung kann als Bar- oder Sachgründung erfolgen. Das Mindestkapital beträgt CHF 30'000.- oder Gegenwert in jeder beliebigen gesetzlichen Währung und kann auch in Anteile (mit oder ohne Wertpapiercharakter) zerlegt sein.

e) Errichtung

Das Treuunternehmen wird mittels einer Errichtungsurkunde und Statuten errichtet, welche bei den zuständigen Amtsstellen einzureichen sind. Für die Errichtung genügt eine natürliche oder juristische Person.  Die Errichtung erfolgt in der Regel auf treuhänderischer Basis.

f) Entstehung

Das Treuunternehmen entsteht erst mit der Eintragung im Öffentlichkeitsregister (Handelsregister).

g) Oberstes Organ

Bei der verkehrstypischen Ausgestaltung stehen dem Obersten Organ (Gründer) Herrschaftsrechte zu, welche in der Regel mittels einer Zessionserklärung (das ist eine Beweisurkunde über die Inhaberschaft) übertragen werden.

Die Vermögensrechte können auch anderen Personen als dem (den) Inhaber(n) der Gründerrechte zugewiesen werden.

Die Verwaltung wird beim Treuunternehmen vom Treuhänderrat ausgeübt.

Sofern ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betrieben wird oder die Statuten ein solches zulassen, muss als drittes Organ eine Revisionsstelle bestellt werden. Im Übrigen sind weitere Organe denkbar.

h) Verwaltungsorgan

Wenigstens ein Mitglied der Verwaltung (Treuhänderrat) muss seinen Kanzleisitz in Liechtenstein haben und über bestimmte berufliche Qualifikationen verfügen. Zusätzlich zu diesem liechtensteinischen Verwaltungsorgan können beliebige natürliche oder juristische Personen mit (Wohn-) Sitz im In- oder Ausland zugewählt werden. Das Verwaltungsorgan ist das ausführende Organ der Gesellschaft.

i) Revisionsstelle

Sofern das Treuunternehmen ein nach kaufmännischer Art  geführtes Gewerbe betreibt oder deren statutarischer Zweck den Betrieb eines solchen Gewerbes zulässt, benötigt es ebenfalls eine Revisionsstelle. Zur Tätigkeit als Revisionsstelle zugelassen sind: Treuhänder, Treuhandgesellschaften mit einer Treuhänderbewilligung, Wirtschaftsprüfer und Revisionsgesellschatten.

j) Gesetzliche Repräsentanz

Der Repräsentant ist offizielle Postadresse und Bindeglied zu Behörden, z.B. gegenüber der Steuerverwaltung und dem Öffentlichkeitsregisteramt.

k) Begünstigte

Bei dem Treuunternehmen kommt die Bestimmung der am Ertrag und / oder Vermögen Genussberechtigten entweder dem Errichter (Gründer) oder, je nach statutarischer Bestimmung, einem anderen Organ zu. Dieser / dieses legt in den Statuten und / oder in den Beistatuten neben der Genussberechtigung auch die Bedingungen und das Ausmaß der Begünstigung fest. Das Beistatut, das in der Regel einen integrierenden Bestandteil der Statuten darstellt und diesen häufig vorgeht, muss nicht beim Öffentlichkeitsregisteramt hinterlegt werden. Es kann widerruflich oder unwiderruflich, abänderbar oder unveränderlich ausgestaltet sein. Möglich ist auch, dass zunächst Änderungen erlaubt sind, das Beistatut jedoch nach Eintritt eines bestimmten Ereignisses oder Zeitpunktes (z.B. Tod des Gründers) unabänderlich wird. Die ausführenden Organe haben sich im Allgemeinen an den Willen des Errichters zu halten. Sind keine Genussberechtigten bestellt, so gilt in der Regel die Rechtsvermutung, dass der Errichter selbst der Genussberechtigte ist. Es gilt dann die gesetzliche Erbfolge. Die Begünstigungen können unter bestimmten gesetzlichen und statutarischen Voraussetzungen dem Gläubigerzugriff entzogen werden.

l) Buchführung

Für das Treuunternehmen ist eine Buchführung vorgeschrieben.
Die Bücher können in jeder beliebigen gesetzlichen Währung und auch in englischer, französischer, italienischer, spanischer oder portugiesischer Sprache im In- und Ausland geführt werden. Die bei der liechtensteinischen Steuerverwaltung gegebenenfalls einzureichende Jahresrechnung muss mindestens von einer deutschen Übersetzung begleitet sein.

m) Deklaration

Treuunternehmen, welche kein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betreiben und deren statutarischer Zweck den Betrieb eines solchen Gewerbes nicht zulässt (somit nur Anlage und Verwaltung von Vermögen oder das Halten von Beteiligungen oder anderen Rechten, ohne eigentlichen kaufmännischen Betrieb),haben alljährlich einen Vermögensstatus (Gegenüberstellung von Aktiven und Passiven) zu erstellen. Gestützt darauf erklärt das liechtensteinische Verwaltungsorgan gegenüber dem Öffentlichkeitsregisteramt, dass ein Vermögensstatus vorliegt und im vergangenen Jahr kein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betrieben wurde (der Vermögensstatus ist nicht einzureichen).

n) Gründungsdauer

Die Gründung dauert in der Regel nicht mehr als eine Woche.

o) Vollmachten

Falls Geschäfte im Auftrage der Verwaltung von Drittpersonen abzuwickeln sind, ist die Erteilung von Vollmachten grundsätzlich möglich. Der Vollmachtsnehmer ist zur Berichterstattung an die Verwaltung verpflichtet. Wegen der Haftung der Verwaltung werden in der Regel lediglich befristete Spezialvollmachten ausgestellt.

p) Liquidation

Das Treuunternehmen kann grundsätzlich frühestens nach sechs Monaten ab drittem Schuldenruf gelöscht werden. Voraussetzung für die Löschung ist immer der Abschluss der Liquidation.

q) Abgaben und Steuern

r) Begünstigte

Fehlt ein Hinweis über die Festlegung des wirtschaftlichen Nutzens, besteht die gesetzliche Vermutung, dass der Inhaber der Treugeberrechte selbst Begünstigter ist.

s) Bilanzabgabe

Sofern ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betrieben wird oder nach den Statuten möglich ist, muss die von der Revisionsstelle geprüfte Jahresrechnung bei der liechtensteinischen Steuerverwaltung eingereicht werden.