Liechtenstein Anstalt

Gründung der Anstalt

Diese Rechtsform rein liechtensteinischer Prägung ist vielseitig einsetzbar (Unternehmensform des Privatrechts). Der Gestaltungsspielraum ist sehr groß. Die Anstalt kann ähnlich wie eine Körperschaft strukturiert werden oder sie kann stiftungsähnliche Grundzüge annehmen und somit je nach Ausgestaltung ein Instrument für kommerzielle Zwecke oder für die Vermögensverwaltung bilden.

Dabei darf sie nicht mit der Rechtsform öffentlich-rechtliche Anstalt, wie sie in anderen Rechtsordnungen bekannt ist, verwechselt werden.

Name der Anstalt

Der Firmenwortlaut ist in jeder Sprache (in lateinischen oder deutschen Schriftzeichen) frei wählbar; auch Phantasiebezeichnungen sind zulässig. Der Firmenname wird geschützt (Ausschließlichkeit der eingetragenen Firma). Die Führung nationaler und internationaler Landes- und Ortsbezeichnungen im Firmenwortlaut ist nur mit spezieller Genehmigung erlaubt.

Sprache der Anstalt

Deutsch ist die Amtssprache. Eine Übersetzung der deutschsprachigen Gründungsdokumente wird auf Wunsch erstellt.

Gründung - Zweck der Anstalt

Der Zweck einer Anstalt kann wirtschaftlicher oder nicht-wirtschaftlicher Art sein, in jeder gesetzlich zulässigen Form, z.B. Handel mit Waren, Erwerb von Beteiligungen, Finanzierungen, Liegenschaftsverwaltung, Patentverwertung, Leasing, die Verwaltung des Vermögens für bestimmte Begünstigte oder für rein wohltätige Zwecke. Bankgeschäfte sind jedoch den Banken, Vermögensverwaltungen für Dritte konzessionierten liechtensteinischen Treuhändern vorbehalten.

Gründung - Grundkapital (Anstaltsfonds)

Das statutarische Kapital kann in Schweizerfranken, Euro und US-Dollar fixiert werden, wobei jedoch das Mindestkapital stets zu beachten ist. Die Gründung kann als Bar- oder Sachgründung erfolgen.

Das Mindestkapital beträgt CHF 30'000.- oder Gegenwert in jeder beliebigen gesetzlichen Währung und kann auch in Anteile (mit oder ohne Wertpapiercharakter) zerlegt sein.

Gründung - Errichtung der Anstalt

Die Anstalt wird mittels einer Errichtungsurkunde und Statuten errichtet, welche bei den zuständigen Amtsstellen einzureichen sind. Für die Errichtung genügt eine natürliche oder juristische Person. Die Errichtung erfolgt in der Regel auf treuhänderischer Basis.

Gründung - Entstehung der Anstalt

Die Anstalt entsteht erst mit der Eintragung ins Öffentlichkeitsregister (Handelsregister).

Oberstes Organ der Anstalt

Bei der verkehrstypischen Ausgestaltung stehen dem Obersten Organ (Gründer) Herrschaftsrechte zu, welche in der Regel mittels einer Zessionserklärung (das ist eine Beweisurkunde über die Inhaberschaft) übertragen werden.

Die Vermögensrechte können auch anderen Personen als dem (den) Inhaber(n) der Gründerrechte zugewiesen werden.

Die Verwaltung wird bei der Anstalt vom Verwaltungsrat ausgeübt.

Sofern ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betrieben wird oder die Statuten ein solches zulassen, muss als drittes Organ eine Revisionsstelle bestellt werden.

Verwaltungsorgan der Anstalt

Wenigstens ein Mitglied der Verwaltung (Verwaltungsrat) muss seinen Kanzleisitz in Liechtenstein haben und über bestimmte berufliche Qualifikationen verfügen. Zusätzlich zu diesem liechtensteinischen Verwaltungsorgan können beliebige natürliche oder juristische Personen mit (Wohn-) Sitz im In- oder Ausland zugewählt werden. Das Verwaltungsorgan ist das ausführende Organ der Gesellschaft.

Revisionsstelle

Sofern die Anstalt ein nach kaufmännischer Art  geführtes Gewerbe betreibt oder deren statutarischer Zweck den Betrieb eines solchen Gewerbes zulässt, benötigt sie ebenfalls eine Revisionsstelle. Zur Tätigkeit als Revisionsstelle zugelassen sind: Treuhänder, Treuhandgesellschaften mit einer Treuhänderbewilligung, Wirtschaftsprüfer und Revisionsgesellschaften.

Gesetzliche Repräsentanz der Anstalt

Der Repräsentant ist offizielle Postadresse und Bindeglied zu Behörden, z.B. gegenüber der Steuerverwaltung und dem Öffentlichkeitsregisteramt.

Begünstigte der Anstalt

Bei der Anstalt kommt die Bestimmung der am Ertrag und / oder Vermögen Genussberechtigten entweder dem Errichter (Gründer) oder, je nach statutarischer Bestimmung, einem anderen Organ zu. Dieser / dieses legt in den Statuten und / oder in den Beistatuten neben der Genussberechtigung auch die Bedingungen und das Ausmaß der Begünstigung fest. Das Beistatut, das in der Regel einen integrierenden Bestandteil der Statuten darstellt und diesen häufig vorgeht, muss nicht beim Öffentlichkeitsregisteramt hinterlegt werden. Es kann widerruflich oder unwiderruflich, abänderbar oder unveränderlich ausgestaltet sein. Möglich ist auch, dass zunächst Änderungen erlaubt sind, das Beistatut jedoch nach Eintritt eines bestimmten Ereignisses oder Zeitpunktes (z.B. Tod des Gründers) unabänderlich wird. Die ausführenden Organe haben sich im Allgemeinen an den Willen des Errichters zu halten. Sind keine Genussberechtigten bestellt, so gilt in der Regel die Rechtsvermutung, dass der Inhaber der Gründerrechte selbst der Genussberechtigte ist. Es gilt dann die gesetzliche Erbfolge. Die Begünstigungen können unter bestimmten gesetzlichen und statutarischen Voraussetzungen dem Gläubigerzugriff entzogen werden.

Buchführung

Für die Anstalt ist eine Buchführung vorgeschrieben.

Die Bücher können in jeder beliebigen gesetzlichen Währung und auch in englischer, französischer, italienischer, spanischer oder portugiesischer Sprache im In- und Ausland geführt werden. Die bei der liechtensteinischen Steuerverwaltung gegebenenfalls einzureichende Jahresrechnung muss mindestens von einer deutschen Übersetzung begleitet sein.

Deklaration

Anstalten, welche kein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betreiben und deren statutarischer Zweck den Betrieb eines solchen Gewerbes nicht zulässt (somit nur Anlage und Verwaltung von Vermögen oder das Halten von Beteiligungen oder anderen Rechten, ohne eigentlichen kaufmännischen Betrieb), haben alljährlich einen Vermögensstatus (Gegenüberstellung von Aktiven und Passiven) zu erstellen. Gestützt darauf erklärt das liechtensteinische Verwaltungsorgan gegenüber dem Öffentlichkeitsregisteramt, dass ein Vermögensstatus vorliegt und im vergangenen Jahr kein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betrieben wurde (der Vermögensstatus ist nicht einzureichen).

Gründung - Dauer der Anstalt

Die Gründung dauert in der Regel nicht mehr als eine Woche.

Vollmachten

Falls Geschäfte im Auftrage der Verwaltung von Drittpersonen abzuwickeln sind, ist die Erteilung von Vollmachten grundsätzlich möglich. Der Vollmachtsnehmer ist zur Berichterstattung an die Verwaltung verpflichtet. Wegen der Haftung der Verwaltung werden in der Regel lediglich befristete Spezialvollmachten ausgestellt.

Liquidation der Anstalt

Eine im Öffentlichkeitsregister eingetragene Anstalt kann grundsätzlich frühestens nach sechs Monaten ab drittem Schuldenruf gelöscht werden. Voraussetzung für die Löschung ist immer der Abschluss der Liquidation.

Bilanzabgabe

Sofern ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betrieben wird oder nach den Statuten möglich ist, muss die von der Revisionsstelle geprüfte Jahresrechnung bei der liechtensteinischen Steuerverwaltung eingereicht werden.